Die Caritas Büren feiert in diesem Jahr 2017 ihr 50 jähriges Bestehen.

"Ubi caritas et amor, ubi caritas Deus ibi est", so lautet eines der Lieder aus Taize, die in keinem Taize-Gottesdienst in unseren Breiten fehlen dar. Die Frage ist für mich, ob wir dieses Lied nur deshalb so gerne singen, weil es emotional so schön ist oder ob wir daraus eine handlungsorientierte Verhaltensweise folgen lassen.

Im Jahr 2005 hat Papst Benedikt in seiner Antrittsenzyklika "Deus caritas est" auf die theologisch- geistliche Vertiefung der christlichen Caritas hingewiesen. Nicht umsonst ist schon 1897 in Freiburg der deutsche Caritasverband und 1967 die Caritas bei uns in dem alten Dekanat Büren gegründet worden. Dieser Caritasverband Büren feiert deshalb in diesem Jahr sein 50 jähriges Bestehen.

Ich gehe davon aus, dass diese Gründung kein Produkt einer intensiven Aufgabensuche der katholischen Kirche gewesen ist, weil eventuell einzelne Bereiche, die früher einmal als die Kernaufgaben der Kirche gesehen wurden, wie etwa die Führung von Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen, nicht mehr in den Händen der Kirche waren und auch heute nicht mehr sind, sondern weil nach dem Vatikanum II im Jahr 1965 in unseren Pfarreien eine intensive theologische Rückbesinnung auf das Verhalten Jesu in seinem solidarischen Verhalten mit den Zukurzgekommenen stattgefunden hat.

Besonders nach Ende des Vatikanischen Konzils und der beginnenden Würzburger Synode, die beide eine intensive biblische Auseinandersetzung in den Pfarreien gefordert hat, waren die Grundregeln der Urgemeinde von Jerusalem stärker in das Bewusstsein der Gläubigen gelangt.

So heißt es im Sammelbericht des Evangelisten Lukas in seiner Apostelgeschichte: „Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte" (Apg 2,44f.), und: „Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens" (Apg 2,46). Dieses Zeugnis gelebter Nächstenliebe, des Miteinander-Teilens und der Linderung der Not wirkte auf die dortige Umgebung nachhaltiger als viele Worte. Es heißt: „Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männern und Frauen" (Apg 5,14).

Wenn ich die Caritas mit unserem Glauben und unserer kirchlichen Praxis in einen Zusammenhang bringe, behaupte ich einmal, dass ohne diese Zeichen der Solidarität unser Glaube nicht glaubwürdig ist.

Es gibt die Begebenheit, die immer wieder von dem bekannten Pariser Erzbischof Kardinal Marty anlässlich seines 80. Geburtstags erzählt wird, als er am Ende der Feier vor die Tür des Konferenzsaales trat, um einen Blick auf die Straße zu werfen und nach seinem Fahrer zu fragen. Dabei hat er, so wird erzählt, wohl drei Clochards übersehen. Als sie sich bemerkbar machten, griff er nach ein paar Münzen und gab sie ihnen. Leider hatte er sie dabei aber nicht angeschaut, weil er weiter nach seinem Fahrer suchte. Einer der Männer fasste ihn deshalb bei der Hand und fragte ihn, ob er der berühmte Kardinal Marty sei. Als Marty dies bejahte, zog der Clochard ihn zu sich und sagte: „Du Marty! Von dir brauche ich mehr. Ich brauche dein Gesicht." Es wird erzählt, dass der Kardinal diesen Hinweis verstand, womit persönliche Zuwendung, Nähe, ein gutes Wort, Weg-Begleitung gemeint war.

Um der katholischen Kirche ein Gesicht zu geben, dafür haben sich in der Vergangenheit viele engagierte Personen eingesetzt. Aus unserem Erzbistum möchte ich nur vier Personen besonders heraus heben, die schon früh erkannt haben, dass die Kirche ihre christliche Botschaft nicht nur in den Kirchen zu verkünden hatte, sondern diese ihre Botschaft auch in der Welt gelebt werden musste.

Genannt seien hier Frau Agnes Neuhaus (1854 - 1944),

Christian Bartels (1856 -1933) ,

Frau Elisabeth Gnauck-Kühne

und Herrn Wilhelm Liese (1876 -1956).

Allen ist gemeinsam, dass der Großteil ihres Schaffens in die Zeit Preußens fällt, als es den Katholiken verboten war, außerhalb der Kirche aktiv zu werden, weil das zugleich als politische Einmischung verstanden wurde.

Nicht umsonst hatte das Vatikanum I (1870/71) das Dogma der Unfehlbarkeit des Papsts heraus gestellt, damit die katholische Kirche auf diese Art und Weise vor dem Zugriff Preußens geschützt war.

Inspiriert war das Tun dieser herausragenden Personen durch den früheren Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877), der mit Sicherheit zu den bekanntesten Bischofsgestalten des 19. Jahrhunderts zählt und als der Ur-Vater der Caritas gilt. Bischof Ketteler galt damals als der Demokrat auf dem Bischofsstuhl in Mainz, der zugleich Freiheitskämpfer, "Arbeiterbischof" oder der Bischof-Politiker war, der sich mutig in das Tagesgeschehen einmischte.

Als z.B. 1870/71 der Krieg gegen Frankreich geführt wurde, da hatte er keine Sekunde gezögert, sich auch um die seelsorgliche Betreuung der französischen Soldaten zu kümmern, was den herrschenden Preußen natürlich überhaupt nicht passte, da die Franzosen schließlich die Kriegsgegner waren. Der Bischof begründete damals seine Haltung mit seiner Überzeugung, dass von jedem Christen ein mutiges "Zeugnis-Geben" in der Welt, ein Bekenntnis christlicher Glaubensüberzeugungen auch in aktuellen, politischen Fragen, gefordert war, selbst wenn das den Regierenden oder anderen Mitchristen unbequem war. Berühmt geworden ist Bischof Ketteler, weil er sich der sozialen Frage der damaligen Zeit gestellt hatte. Wie der Arbeiterführer Lassalle forderte er letztlich staatliche Hilfe für die Vereinigung der Arbeiter in Produktivgenossenschaften. 1864 erschien sein Buch: "Die Arbeiterfrage und das Christentum", in dem er die Arbeiterfrage als "Arbeiterernährungsfrage" bezeichnete und die Schaffung humaner und gesunder Arbeitsbedingungen forderte, was ihm letztlich für die Arbeiterführer Marx und Engels den Ruf einbrachte, unangenehmer Gegenkandidat zu sein.

Den Höhepunkt seines Engagements in der sozialen Frage mag man in seiner Ansprache vor 10.000 Arbeitern auf der Liebfrauenheide bei Offenbach am 25. Juli 1869 sehen, als er die Erhöhung des Arbeitslohns, Verkürzung der Arbeitszeiten, die Gewährleistung der Sonntagsruhe und vor allem auch das Verbot der Kinderarbeit in den Fabriken forderte. Papst Leo XIII., der Papst der Sozialenzyklika "Rerum novarum", hat Ketteler später sogar als seinen "großen Vorgänger" bezeichnet.

Als er auf seiner Rückreise von einem Rombesuch völlig unerwartet am 13. Juli 1877 im Kapuzinerkloster zu Burghausen in Oberbayern verstarb, wurden die Begräbnisfeierlichkeiten in Mainz zu einer großen Sympathiekundgebung für diesen großen Mainzer Bischof.

Wegen der politischen Probleme im Deutschen Reich (Katholikengesetze in Preußen) dauerte es noch 20 Jahre, bis im Jahr 1897 der deutsche Caritasverband mit Sitz in Freiburg gegründet werden konnte.

Dezember 2019
So Mo Di Mi Do Fr Sa
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31

Anschrift

Pastoralverbund Lichtenau
Am Kirchplatz 6
33165 Lichtenau

Kontakt

Telefon: 0 52 95 / 9 85 60
E-Mail senden 

Öffnungszeiten

dienstags 09:00 - 11:00 Uhr
donnerstags 15:00 - 17:00 Uhr
freitags 09:00 - 11:00 Uhr

Besucher

Heute 448

Gestern 370

Woche 1859

Monat 2140

Insgesamt 259035

Aktuell sind 20 Gäste und keine Mitglieder online

Kubik-Rubik Joomla! Extensions