Rede anlässlich der Überreichung der Pastoralvereinbarung

am 21. Sept 2014 - Prof’in Dr. Agnes Wuckelt

12 Männer und Frauen, haupt- und ehrenamtlich in der Kirche von Lichtenau engagiert, treffen sich regelmäßig über rd. 30 Monate zu zweistündigen abendlichen Sitzungen, um die Pastoralvereinbarung für den Pastoralverbund Lichtenau zu erarbeiten, ...

 

... bearbeiten von acht Pfarreien bzw. Pfarrvikarien ausgefüllte Fragebögen, insgesamt 120 Seiten, diskutieren, debattieren, setzen sich mit unterschiedlichen, auch kontroversen Positionen innerhalb der Gruppe auseinander, erstatten Bericht in den unterschiedlichen Gremien, holen Voten und Stellungnahmen aus acht Pfarreien bzw. Pfarrvikarien ein, legen Entscheidungen des Pastoralverbundsrates vor, laden alle interessierten Gemeindemitglieder zu einem Pastoralverbundstag ein, um den Stand der Arbeit der Gruppe darzustellen und zu diskutieren sowie die Vorstellungen der Teilnehmenden aufzunehmen, füllen mit Tagesordnungen, Notizen, Entwürfen und Protokollen zwei Aktenordner, verabschieden und unterzeichnen schließlich ein zuvor immer wieder diskutiertes und mehrmals überarbeitetes Papier, das zunächst - ohne Anhang - 64 Seiten umfasst und nun auch in einer Kurzform im Umfang von 23 Seiten vorliegt: Die Pastoralvereinbarung des Pastoralverbunds Lichtenau.

Damit sind Rahmen und statistische Daten der Arbeit der Steuerungsgruppe im PV Lichtenau kurz umschrieben. Aber ist damit bereits alles gesagt?

Sicher nicht. Daher möchte ich einige Wegmarken nennen, die den Prozess der Erstellung unserer Vereinbarungen für die Pastoral im Pastoralverbund Lichtenau in den nächsten Jahren kennzeichnen und die sich zum einen auf dem Weg zur Vereinbarung, zum anderen aber wohl auch beginnenden Zeit der Umsetzung der Vereinbarung als Herausforderung stellten und stellen werden. (Ich verstehe „Herausforderung“ unter zwei Aspekten: Einmal als Aufgabe, eine schwierige, problembeladene Situation zu bewältigen, zum anderen aber auch als Chance zur Veränderung, Dinge neu zu sehen, Neues in Gang zu setzen.)

  1. Die Aufgabe, eine Pastoralvereinbarung zu formulieren, war weniger die freie Entscheidung des Pastoralteams und der Mitglieder der Gremien im Pastoralverbund, sondern vor allem ein Impuls von Seiten der Bistumsleitung im Rahmen der Perspektive 2014, verbunden mit strukturellen Veränderungen in unserem Bistum – der auch als geistlicher Prozess zu verstehen ist. – Die erste Herausforderung.
  2. Zwölf ganz unterschiedliche Menschen machten sich auf einen gemeinsamen Weg, der leitende Pfarrer Josef Wördehoff und sein Pastoralteam, Mitglieder des Pastoralverbundsrates und Pfarrgemeinderäten sowie Menschen, die eher von außen kamen und daher mit der Kirche von Lichtenau nicht so vertraut waren. Der Prozess des gegenseitigen Kennenlernens wie auch die Tatsache, dass es unterschiedliche Wahrnehmungen aus unterschiedlichen Perspektiven, die Verknüpfung einer Innen und einer Außenperspektive und die Tatsache, dass es auf jede Antwort immer auch eine neue Frage gibt, stellte die zweite Herausforderung dar.
  3. 15 Dörfer mit acht Pfarreien und Pfarrvikarien mit unterschiedlicher Geschichte, verteilt auf einem Gebiet das größer ist als jenes der gesamten Stadtgebietes von Bochum, sollen zu einem Pfarrverbund zusammenwachsen und sich als „Kirche von Lichtenau“ verstehen. Wie umgehen mit unterschiedlich gewachsenen Traditionen, mit daraus erwachsenden Vorstellungen von Kirche und Gemeinde? Wie umgehen mit Ängsten und Befürchtungen, dass alt Gewohntes auf der Strecke bleibt, verloren geht oder gar genommen wird und sich in einer Zeit der Schnelllebigkeit und Orientierungslosigkeit sogar die letzte Bastion Kirche, die doch als Fels in der Brandung gilt, nicht von Veränderungen ausgenommen ist? – Die dritte Herausforderung.
  4. Was muss bleiben, was können wir aufgeben? Bei der Beantwortung dieser Fragen treffen unterschiedliche Dimensionen aufeinander:
    1. Die emotionale Dimension – an vielem, was „früher“, was bisher an Ausdrucksformen des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft möglich war, hängen Gefühle, hängt das Herz.
    2. Die pragmatische Dimension – manches lässt sich nicht mehr so wie früher umsetzen: es fehlen diejenigen, die geplant, organisiert, realisiert haben und auch die, die kommen und teilnehmen. Ist dies ein ausreichender Grund, zu reduzieren, zu streichen? Soll das sich mit einer oder mehreren anderen Gemeinden / Gruppen Zusammentun als Chance be- und ergriffen werden?
    3. Die theologische Dimension – was macht die Kirche Jesu Christi aus, eine Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi? - Die vierte Herausforderung.
  5. Wer ist Träger von Pastoral? Lässt sich das Bewusstsein wecken und stärken, dass alle auf Jesus Christus Getauften berufen sind, und jede und jeder sich entsprechend den jeweiligen Gaben und Begabungen sich am Aufbau, der Erneuerung und Verlebendigung der Gemeinde einbringen kann? Oder führt das Festhalten an einer Vorstellung, nach der die Priester der Gemeinden die allein verantwortlichen Träger der Pastoral sind, auf der einen Seite zu Stagnation im Leben der Gemeinde und auf der anderen Seite zur Überforderung und Frustration der Priester und/oder hauptamtlich pastoral Tätigen? – Die fünfte Herausforderung.
  6. Führt manches Beharren auf dem, was – vermeintlich immer so war – nicht unter Umständen zu hermetischer Abgrenzung und Verhinderung von Weiterentwicklung, zu fehlender Öffnung gegenüber neuen Ideen und Menschen, die sich auf der Suche nach Gemeinschaft, nach spirituellen Orten befinden? - Die sechste Herausforderung.
  7. Die Kirche von Lichtenau birgt in ihren unterschiedlichen Gruppen und Gemeinschaften wertvolle Schätze und Talente. Wie kann es ihr gelingen, diese Schätze nicht ängstlich zu verstecken, sondern allen, die danach suchen, zugänglich und verständlich sowie verstehbar zu machen? – Die siebte Herausforderung.
  8. Die Kirche von Lichtenau will eine Kultur des Willkommenseins praktizieren. Dürfen wir uns doch als un-bedingt, ohne jede Bedingung von Gott angenommen wissen und sind berufen, dies auch denjenigen zu vermitteln, mit denen wir im Alltag zu tun haben, die uns begegnen. Entdecken wir die Schwachstellen, die eine konsequente Umsetzung dieses Ziels verhindern? – Die achte Herausforderung.
  9. Die Kirche von Lichtenau möchte den Blick für die Menschen schärfen, die an den Rändern leben – Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation – Krankheit, Armut, Migration, Behinderung oder aufgrund ihres Lebensstils vorübergehend oder generell von gerechter Teilhabe ausgeschlossen sind. Wird es ihr gelingen, auch auf Dauer nicht wegzusehen und ihnen achtsam und auf Augenhöhe zu begegnen? – Die neunte Herausforderung.
  10. Die Kirche von Lichtenau erhält letztlich ihre Lebendigkeit aus ihrer Gottesbeziehung heraus, die am intensivsten im Gottesdienst, dem Dienst Gottes an uns Menschen, gepflegt werden kann. So ist es Ziel unserer Pastoralvereinbarung, uns miteinander auf den Weg des Glaubens zu begeben, ein Stück des Glaubensweges miteinander zu gehen und im Bewusstsein des gemeinsamen Priestertums aller Getauften für die Gestaltung des Glaubens gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. – Die zehnte Herausforderung.

 Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, wir, die wir diese Pastoralvereinbarung im Bemühen um Rückbindung an die Gremien und die Einbindung weiterer Gemeindemitglieder formuliert haben, haben uns immer wieder bewusst gemacht, dass wir uns auf einen nicht leichten, aber auf den richtigen Weg begeben – und hoffen sehr, dass viele bereit sind, ihn mitzugehen. Ich denke, in geschwisterlicher Verbundenheit und im unerschütterlichen Vertrauen auf Gott, der seine Kirche und damit auch uns nicht allein lässt, werden wir auf diesem Weg vorankommen.

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