Glaubensperlenweg 2013 4

Mehr als 30 Personen – Kindergartenkinder mit Geschwistern, Eltern, Verwandten und sogar Freunden – versammelten sich in der Kindertagesstätte St. Kilian in Lichtenau, um den ersten ökumenischen Glaubensperlenweg mitzuerleben.

Die Idee zu diesem spirituellen Weg entwickelte sich im Laufe der gemeinsamen Einheiten mit den Drachenkindern – den Kindergartenkindern, die nach den Sommerferien eingeschult werden – und der Gemeindereferentin Annette Wagemeyer.

Während dieser Einheiten setzten sich die Kinder abstrakt, aber auch sehr pragmatisch-anschaulich mit den Perlen des Glaubens auseinander. Denn die Perlen des Glaubens wurden in den 90er Jahren von dem evangelisch-lutherischen Alt-Bischof Martin Lönnebö entwickelt, um Menschen heute etwas Greifbares an die Hand zu geben, dass die Botschaft des christlichen Glaubens enthält und gleichzeitig ohne weiteres zu verstehen und zu begreifen ist. Begreifen konnten die kleinen und großen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich zum Einstieg das Band, auf das die Perlen aufgefädelt sind. Sie erlebten ganz bewusst das verbindende Element des Perlenbandes in einem langen Seil, an das alle Hand anlegten, und entdeckten sich selbst an diesem Seil als Perle. Jede und jeder als Mensch kostbar und wertvoll wie eine Perle in den Augen Gottes. Die Botschaft an dieser ersten Station auf dem Kindergartenspielplatz: „Sieh auf dich selbst mit Liebe und schau liebevoll auf die anderen, die ebenso kostbar sind wie du – auch beim täglichen Spielen im Kindergarten und bald beim Lernen in der Schule“.

Die zweite Station an der Begegnungsstätte, den Kindern vertraut als Ort der musikalischen Früherziehung und Musikschule, behandelte mit der Wüstenperle die Schwierigkeit die eigenen Talente zu entdecken und zu entwickeln. Unsere „Wüstenzeiten“, die wir beim Musizieren, Fußballtraining oder auch anderen kreativen Talenten zu überstehen haben, wie Jesus die 40 Tage in der Wüste überstanden hat – ganz im Vertrauen auf Gottes Liebe. Denn zur Liebe gehören immer zwei: Ein Ich und ein Du; eine Person, die Liebe gibt und eine, die Liebe empfängt. Unser Glaube bezieht die Liebe Gottes auf die Liebe der Menschen. Deshalb finden wir zwei Perlen der Liebe im Glaubensperlenband. Die Liebe Gottes ist die Quelle aller menschlichen Liebe. Wo Menschen in der Liebe Gottes leben, bekommen sie Kraft, selber Liebe zu zeigen und sich für andere einzusetzen. Menschen, die sich für andere einsetzen, konnten die Kinder aus eigener Erfahrung heraus erschließen in den Musiklehrerinnen und Musiklehrern, die mit Engelsgeduld die richtigen Töne einüben, die Fußballtrainer, die auch beim wiederholten Fehlpass Ruhe bewahren und Fehler aufzeigen oder den Sportlehrerinnen, die trotz schleppendem Lernerfolg immer wieder ermutigen. Ein kleines Gebet führte die vielen Gedanken noch einmal zusammen.

Auf dem Weg zur nächsten Station wurde es dann plötzlich still, denn die Perlen der Stille, die zur Unterbrechung und zum Innehalten im Perlenband einladen, konnten selbst erkundet werden. Nach dem „Tor der Stille“, abgebildet von zwei Erwachsenen, erlebten kleine und große Teilnehmerinnen und Teilnehmer den eigenen Atem, aufsteigende Gefühle und Gedanken im Innersten. Dem einen oder der anderen sagte diese Stille zu und konnte auch innere Ruhe vermitteln, aber einigen fiel dies auch hörbar schwer.

In Kettrup, auch Kerkdorp genannt, dem Ort, an dem vor ungefähr 740 Jahren die älteste Kirche des Soratfeldes stand, ging es um die Geheimnisperlen. Dass Menschen damals und auch heute noch zu unserem christlichen Gott beten und Gotteshäuser erbauen, kann nicht anhand einer Geheimnisperle bedacht werden. Dazu bedarf es auch drei, denn Gottvertrauen, Zweifel und reifende Erkenntnis bewegen die Menschen aller Zeiten.
Beeindruckend war die einfache Spiritualität und Kreativität der Kinder, denn ein Geschwisterkind gestaltete aus Ästen ein Tragekreuz, dass die Gruppe den weiteren Weg begleitete.

Der nächste Halt war im Freibad und das Thema dort war selbstverständlich die Taufperle. Im Wasser spüren wir die Lebendigkeit des Lebens. Die weiße Taufperle ist direkt neben der weißen Ich-Perle. Sie gehören ganz nah zusammen. Die Große trägt die Kleine. Die Taufe steht für das große Ja Gottes über unserem Leben. Sie ist wie eine Liebeserklärung an uns Menschen. Jede und jeder ist eingeladen, das eigene JA zu Gott zu sagen. Im Gebet hieß es dann: „Ich will meine Verantwortung ernst nehmen und deine große Liebe weiterschenken.“

Den Abschluss bildete auf dem Außengelände der Kita St. Kilian der Psalm 23. Kindgerecht aufbereitet konnte dieser Psalm, der von großem Gottvertrauen zeugt, erst hörend und anschließend kreativ-gestalterisch wahrgenommen werden. Anfang und Ende – alles kommt von Gott und alles führt wieder zu ihm hin, die Perlen im Perlenband, aber auch unser erster ökumenischer Glaubensperlenweg: Im Kreuzzeichen mit Gott gestartet und im Vertrauen auf Gott den Weg beendet.

Beim anschließenden gemütlichen Ausklang mit Kuchen und kalten oder warmen Getränken blieb noch viel Zeit sich über die aufgekommenen Gedanken des Weges auszutauschen. „Das war eine tolle Idee! Wir gehen auch beim nächsten Mal wieder mit!“, so die Resonanz der Teilnehmenden beim Abschied.

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Bericht und Fotos: Gemeindereferentin Annette Wagemeyer

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