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Anlässlich des Jubiläums der 20jährigen Partnerschaft ist eine 58-köpfige Gruppe aus Lichtenau/Westfalen ins Ermland nach Pieniezno/Lechowo gefahren, um dort an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten fand auch in Lechowo, dem früheren Lichtenau im Ermland, eine Heilige Messe statt, in der Pfarrer Josef Wördehoff aus Lichtenau folgende bemerkenswerte Predigt gehalten hat: 

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29. Sonntag: Evangelium – Lk 18,1-8

Von einer scheinbar schwachen Frau, die hartnäckig für ihr Recht kämpft, erzählt Jesus im Lukasevangelium.

Während es heutzutage bei uns so ist, dass eine Frau Lehrerin, Ärztin oder Richterin werden kann, sah es vor 2000 Jahren im jüdischen Volk für die Frauen ganz anders aus. Eine Frau brauchte einen Mann, der sie und die Kinder ernährte und der Familie vorstand.

Wenn in einer Familie der Mann und Vater starb, wurde es für die Frau und die Kinder sogar gefährlich. Denn das jüdische Recht sah vor, dass dann die Familie des verstorbenen Mannes der Witwe die Mitgift, also das in die Ehe mitgebrachte Geld, ausbezahlen musste. Dieses ausgezahlte Geld reichte etwa für ein Jahr. Wenn dieses Geld aufgebraucht war, drohten der Frau und ihren Kindern Hunger und Not.

In der biblischen Geschichte unseres Evangeliums hat die Witwe einen Feind. Wir wissen es nicht ganz genau, wer mit diesem Feind gemeint sein könnte.

Was mir so an dieser Geschichte gefällt, ist die Tatsache, dass diese arme, scheinbar schwache und unterlegene Frau, sich sicher ist, dass Gott auf ihrer Seite ist. Sie wusste aus der Geschichte, dass immer wieder die Männer Gottes, die Prophe­ten, dem Volk Israel eingeschärft hatten, das Recht der Witwen und Waisen zu ach­ten. Diese Propheten hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Armen und Schwachen unterstützt werden sollten. Die Gewissheit, im Recht zu sein, macht die Witwe stark.

Schauen wir auch auf den ungerechten Richter: Im ersten Augenblick scheint er der Stärkere zu sein. Als scheinbar Stärkerer tritt er das Recht mit Füßen. Es wäre doch seine Aufgabe gewesen, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten. Aber er tut es nicht. Er überhört die Bitten der Witwe einfach.

Doch die Hartnäckigkeit und das selbstbewusste Auftreten der Witwe machen ihm zu schaffen. Er bekommt es sogar mit der Angst zu tun. Die aufgebrachte Witwe könnte ihn vor anderen Leuten, also in der Öffentlichkeit, ansprechen und vielleicht sogar anschreien oder handgreiflich werden. Davor fürchtet sich der Richter. Also lenkt er ein und verhilft ihr zu ihrem Recht. Die Witwe erreicht ihr Ziel.

Ich muss sagen, zunächst einmal ist das eine schöne Geschichte. Es freut mich, wenn eine schwache Frau, die im Recht ist, gewinnt, im Kampf gegen einen Starken, der Unrecht tut.

Das erleben wir nicht oft in unserer Welt. Gerade deshalb brauchen wir solche Ge­schichten, die uns Mut machen, gegen Unrecht immer wieder anzukämpfen.

Somit lautet für mich die Botschaft des heutigen Evangeliums, dass Gott auf unserer Seite ist, wenn wir uns für ein besseres Leben für die Armen und Schwachen einsetzen.Gott ist auf unserer Seite, wenn wir uns für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen.

Wir sind heute aus Lichtenau in Deutschland hierher nach Lechowo, unserer Partnergemeinde gekommen, weil wir gemeinsam das 20 jährige Partnerschaftsjubiläum feiern wollen gemeinsam mit ihnen hier in Lechowo.

Wir haben uns heute hier in der Kirche versammelt, weil wir für diese Partnerschaft Gott mit ins Boot holen wollen, damit diese Partnerschaft auch in Zukunft Bestand hat.

Wie in unserer Geschichte der ungerechte Richter nicht gegen die Hartnäckigkeit der Frau gewinnen konnte, die mit Gottes Hilfe um ihr Recht gekämpft hat, so konnte auch das geschehene Unrecht der Deutschen im 2. Weltkrieg diese Partnerschaft nicht verhindern. Es gibt nichts zu verharmlosen.

Wir Deutschen könnten uns nicht beschweren, wenn die deutsch-polnische Beziehung wegen der deutschen Grausamkeiten im 2. Weltkrieg für Jahre auf Eis gelegt worden wäre und wir in einer politischen Eiszeit leben würden.

Diese Eiszeit haben die polnischen Bischöfe im Jahre 1966 – nach dem 2. Vatikanischen Konzil – als sich die Bischofe in Rom näher gekommen waren, diese Eiszeit haben die polnischen Bischöfe mit ihrem Brief an die deutschen Bischöfe zum Schmelzen gebracht, als sie mit ihrem Brief den Deutschen die Hand zur Versöhnung gereicht haben.

Wir wissen aus der Geschichte, dass die polnischen Bischöfe damals sehr stark in der Kritik standen und zwar in der Kritik von der damaligen Regierung, aber auch von der damaligen Bevölkerung, die natürlich das Unrecht noch nicht verarbeitet hatten. Vergessen kann man das Unrecht nämlich nicht.

+Als dann der damalige deutsche Bundeskanzler Willi Brandt am 7. Dezember 1970 am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos um Vergebung für das deutsche Verbrechen im 2. Weltkrieg bat, da war das für mich die symbolische Antwort auf den Brief der polnischen Bischofe. Wie die polnischen Bischöfe, so stand auch Willi Brandt damals sehr stark in der deutschen Öffentlichkeit in der Kritik.

Wie die Witwe haben sich die polnische Bischöfe und der deutsche Bundeskanzler jedoch nicht von ihrem Kurs abbringen lassen und damit einen großen Dienst an der deutsch-polnischen Verständigung geleistet. Wir sind heute hier in der Kirche von Lechowo zusammen gekommen, feiern gemeinsam Eucharistie und bitten Gott, dass er die Partnerschaft zwischen unseren Städten immer wieder unter seinen Schutz stellen möge.

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