Denkmal auf dem Herbramer Friedhof"Was Du bist, das war ich.

Was ich bin, das wirst Du sein!"

Dieser Spruch des heiligen Petrus Damiani (1017-1072) steht auf dem Denkmal, welches der Gemeinde Herbram von einer Sponsorin  aus  Dankbarkeit für schöne Ferien, die sie dort als Kind erleben durfte, gespendet worden ist.

Die Inschrift auf dem neu errichteten Denkmal soll den/die Betrachter(in) auffordern, über das Leben nachzudenken, wenn es dort heißt: „Was du bist, das war ich; was ich bin, das wirst du sein."

Die Kirchengemeinde Herbram dankt der Sponsorin und auch der Firma Dunschen aus Hövelhof, die ebenfalls gute verwandtschaftliche Beziehungen zu Herbram unterhält und das Denkmal angefertigt hat. Der Dank gilt auch einigen Herbramer „Senioren", die die Verhandlungen mit der Stadt Lichtenau geführt und das Projekt in den verschiedenen Phasen begleitet haben.

In seiner Predigt hat Pfarrer Wördehoff über die Bedeutung von Denkmälern gesprochen:

Ich muss gestehen. Denkmäler haben es mir angetan, vor allem solche, die gedeutet werden müssen, die nicht so platt ihre Aussage an den Tag legen.

Wenn ich mit einer Gruppe nach Danzig fahre, dann zeige ich gerne ein Denkmal, welches vor dem Danziger Bahnhof steht. Es zeigt mehrere  Kinder mit ihren Koffern. Wenn ich dann die Betrachter frage, was uns dieses Denkmal so erzählen will, dann werden dahinter Geschichte wie Kinder fahren auf Klassenfahrt genannt. Wenn ich dann sage, dass es eine Geschichte aus der Vorkriegszeit aufgreift, dann kommt das Thema der "Kinder-Land-Verschickung ", eine positive Geschichte aus der Vor- und Kriegszeit.

Wenn ich dann auf das Thema der Judenverfolgung vor und im 2. Weltkrieg hinweise und erzähle, dass es die Geschichte vieler jüdischer Kinder darstellt, die von ihren Eltern vor der Vernichtung gerettet worden sind, indem die Eltern ihre Kinder in eine ungewisse Zukunft nach England geschickt haben, dann werden die Betrachter sehr still und nachdenklich. Da habe ich etwas erreicht, weil ich einen Denkprozess in Bewegung gesetzt habe. Wenn das erreicht wird, dann bin ich zufrieden.

Genauso geht es mir, wenn ich nach Rom fahre und mit Besuchern in das Vatikanische Museum gehe. Dort hat es mir die Laaokoon - Gruppe angetan. Mit diesem Denkmal wird auf das Schicksal der Trojaner hingewiesen, die entgegen der Warnung des Laokoon  die vorbereitete List des Odysseus nicht erkennen, das  hölzernde Pferd des Odysseus in ihre Stadt holen und damit ihr Schicksal und ihren Tod in die Stadt holen. Das Ende der Geschichte : Troja ging in Flammen und Blut unter. Homer, der blinde Sänger, besang ihr Schicksal.

Sie werden sich jetzt wiederum frage, was ich mit der Erwähnung der Laookoon- Gruppe bewirken will.

Das hat etwas damit zu tun, dass wir auf unsrem Friedhof in Herbram ein Denkmal einweihen, welches uns gestiftet worden ist von einer Gönnerin, die - wie ich auch schon im Pfarrbrief geschrieben habe, - als Kind immer wieder schöne Ferien in Herbram verbringen durfte. Als sie damals zu mir in Lichtenau kam, da entdeckten wir beide sehr schnell unsere gemeinsame Vorliebe für Friedhöfe.

Beim gemeinsamen Gang zum Herbramer Friedhof fiel uns gemeinsam auf, dass das Feld  "Rasengräber/ Leichen ohne Denkmal mit einem Kreuz war. Da wir beide der Ansicht waren und auch sind, dass zu einer christlichen Bestattung auch das Zeichen des Kreuzes gehört, war uns klar, dass da ein Denkmal hingehört, welches dieses Kreuz beinhaltet.

Wie ich schon zu Anfang sagte, ich habe eine Vorliebe für Denkmäler, die bei dem Betrachter das Denken anregen sollen.

Der Spruch auf dem neuen Denkmal mit den Worten "Was du bist, das war ich. Was ich bin, das wirst du sein" stammt von dem hl Petrus Damiani aus dem 11. Jahrhundert und soll den Betrachter daran erinnern, über sein Leben nachzudenken, sich zu fragen, was er mit seinem Leben machen will oder was er aus seinem Leben gemacht hat. Denn: Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Leben und Sterben sind zwei Faktoren in unserem Leben, die nicht berechenbar weit auseinander liegen, sondern für jeden von uns sind die Fixpunkte unterschiedlich gesetzt.

Der Spruch will uns daran erinnern, dass durch den Tod das Leben eines Menschen zu dem wird, was es ist. Der Tod macht das Leben  unveränderlich, schreibt fest, was war, und nimmt uns die Möglich­keit des neuen Beginnens. Nicht umsonst sagen wir Älteren doch häufig, dass wir gerne das Rad der Zeit zurück drehen würden und vieles anders machen würden.

Was unser Problem ist, ist die Tatsache, dass wir dieses Faktum nicht wahrhaben wollen, sondern einfach verdrängen….

Wir feiern Allerheiligen und das Fest Allerseelen, in diesem Jahr begleitet in NRW durch den zusätzlichen Feiertag der Reformation. Ich gehe davon aus, dass diese Tage als Brückentage benutzt werden zu einem Kurzurlaub. Das macht mir noch einmal klar, dass das Faktum des sicheren Todes im Bewusstsein der Gegenwart weitgehend ausfällt.

Der Tod ist totgeschwiegen, wie der Titel eines Buches lautet, in dem 10.000 Todesanzeigen auf ihre Aussage hin ana­lysiert werden.

Deshalb sage ich einmal, dass von Anfang an die Gräber der Christen Orte der Verkündigung sind und das will dieses Denkmal auch sein.

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Menschen, die bei uns in Herbram zum Friedhof kommen und diesen Spruch lesen, einmal angeregt werden, über diesen Spruch nachzudenken. Dann hat das alles seinen Sinn bekommen.

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