Geistliches Leben - Geistfenster in Herbram

von Richard Schleyer

 

Dieses Heilig-Geist-Fenster findet sich in der St.-Johannes-Baptist-Kirche im Lichtenauer Ortsteil Herbram.

Im Pfingstbericht der Apostelgeschichte heißt es, der Heilige Geist kam in Form von Feuerzungen auf die im Abendmahlssaal versammelten Apostel herab. Die vorher ängstlichen Apostel wurden also von einem inneren Feuer ergriffen, das sie ihre Furcht überwinden ließ. Sie öffneten ihre zuvor verschlossenen Herzen und die Türen, traten hinaus und trauten sich, die Menschen in Jerusalem anzusprechen.

Der Heilige Geist wirkt als Furchtüberwinder und Türöffner. In ihm ergreift die Kraft Gottes furchtsame Herzen. Moses erfuhr seine Berufung, das Volk Israel aus Ägypten ins Gelobte Land zu führen, ebenfalls in einem Feuererlebnis. Ihm offenbarte sich Jahwe als der Gott der Befreiung in einem brennenden Dornbusch in der Wüste. Der brannte, aber verbrannte nicht.

Ähnlich wirken die Feuerzungen des Heiligen Geistes. Sie entzünden in uns ein inneres Feuer, das uns fähig macht, die erfahrene Liebe Gottes in die Welt auszustrahlen und an andere weiterzugeben. Doch will der Heilige Geist in uns ein Feuer anzünden, das uns wärmt und erleuchtet, aber nicht innerlich verbrennen lässt. Ausbrennen können wir nur dann, wenn wir uns dazu verführen lassen, mehr geben zu wollen, als wir haben. Und wenn das geschieht, ist nicht Gott am Werk, sondern der große Versucher. Der verführt uns dazu, uns zu übernehmen, als ob das Heil der Welt und der Kirche zuerst von unserem Einsatz abhinge. Wir setzen dann nur noch auf Aktivität und achten weniger darauf, dass das innere Feuer des Geistes in uns nicht erlischt.

Das Feuer des Heiligen Geistes verbrennt unser Herz nicht, sondern hält die Flamme Gottes in ihm lebendig. Wenn wir Gottes Liebe im Blick behalten, fällt sein liebender Blick auf uns zurück; und in diesem erkennen wir auch unsere Grenzen und werden vor dem Ausbrennen bewahrt.

Quelle: Der Dom • Nr. 24 • 16. Juni 2013

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