2017 ökum.Kreuzausstellung DSC00426Da im Jahr 2017 die evangelische Kirche Deutschland des 500. Jahrestages der Reformation durch Dr. Martin Luther gedenkt, hat die katholische Kirche Lichtenaus der evangelischen Kirche Lichtenaus angeboten, als Geschenk die Wanderausstellung des bekannten Bürener Fotographen Jürgen Kemper - fotographische Kreuzbilder - für 14 Tage nach Lichtenau zu holen. Als Zeichen des ökumenischen Tuns werden die Bilder in beiden Kirchen ausgestellt.

Selbstverständlich hat die katholische Kirche die Kosten für diese Ausstellung übernommen. Am Sonntag, den 5. März, wurde diese dann im Rahmen des evangelischen Gottesdienstes eröffnet. Gastprediger in diesem Gottesdienst war der Initiator dieser Ausstellung, Pfarrer Josef Wördehoff, aus Lichtenau.

In seiner Predigt sagte er:

 "Beginnen möchte ich mit der Realität unseres Lebens, mit der Tatsache, dass gesellschaftlich gesehen Religion und Glaube in unserem Leben kaum noch als lebenstragend wahrgenommen werden.

Erläutern möchte ich das an 3 Beispielen aus der Vergangenheit.

 1. Beispiel:

1987 haben die Lehrer eines Gymnasiums gemeinsam beschlossen, der Schule als Jubiläumsgeschenk neue bronzene Kreuze für die einzelnen Klassenräume zu schenken.

Sie können sich die Proteste der Elternschaft vorstellen, die gegen diese Geschenke Sturm gelaufen ist, mit dem Argument, dass die Schule wichtigere Dinge als Kreuze benötige.

Anmerkung: Die Lehrer haben dennoch die Kreuze gekauft und ich bin der Meinung, dass sie es richtig gemacht haben, um dadurch noch einmal die Ausrichtung der Schule als christliche Schule nicht nur deutlich , sondern auch sichtbar zu machen. "

 2. Beispiel:

"Ich glaube, es war 1995, als es Bayern den sogenannten Kreuzstreit gab. Ein Vater hatte versucht, die Kreuze aus den Schulen zu verbannen, weil er seiner Tochter den Anblick eines Versagers ersparen wollte.

Zum Glück hat das bayrische Verwaltungsgericht entschieden, dass die Kreuze in öffentlichen Schulen hängen bleiben dürfen, da sich das Bundesland Bayern seiner christlichen Wurzeln bewusst ist."

 3. Beispiel:

"Im Augenblick bereiten wir 130 Jugendliche auf das Fest der Firmung vor und wir müssen hier wiederum feststellen, dass Religion und Glaube im Leben der jungen Generation kaum noch eine Rolle spielen.

Und trotz dieser Realität haben wir in unseren beiden Kirchen, der evangelischen wie auch der katholischen Kirche, die Ausstellung mit dem Thema "Kreuze" nach Lichtenau geholt.

14 Tage lang haben Besucher und Besucherinnen die Möglichkeit, sich dem Kreuz zu stellen.

Ich sage bewusst, dass, wer auch immer sich diese Fotos ansieht, der oder die muss sich vor das Foto mit dem Kreuz stellen und da wird dem einen oder dem anderen Betrachter oder der Betrachterin die eine oder andere Frage an das jeweilige Leben aufgehen.

So geschehen genau heute vor einem Jahr.

Ich hatte mich mit einer Gruppe von Frauen, die im Jahr 2015 mit der kfd unseres Bezirks Lichtenau / Bad Wünnenberg nach Ostreußen gefahren waren, heute vor einem Jahr zu einem Nachtreffen der Fahrt in Büren verabredet.

Zuvor hatte ich das Highlight, den Besuch der Kreuzausstellung, die in den kommenden 2 Wochen, hier bei uns in der katholischen und evangelischen Kirche zu sehen sein wird, organisiert.

Der Fotograf Jürgen Kemper aus Büren hat uns damals durch die Ausstellung geführt und so einfühlsam seine Beweggründe für das Fotografieren dieser Kreuze erzählt, dass sich daraus intensive Gespräche entwickelten, die sich bis zu unser abendlichen Treffen im Hotel fortsetzten.

Diese Gespräche vor 2 Jahren erinnern mich an die Aussage des großen protestantischen Theologen Paul Tillich, der sagte, dass Religion das Ergriffensein von dem ist, was den Menschen unbedingt angeht.

Wer sich also dem Kreuz stellt, der wird betroffen, da die Realität des Lebens doch darin liegt, dass wir zwar die Kreuze aus unseren Lebensräumen verbannen können, wir vor dem Kreuz unseres Lebens aber nicht weglaufen können, wie schon eine Geschichte aus Asien uns erzählt, wenn sie von einem Mann erzählt,   den sein eigener Schatten so ängstigte, dass er ihn hinter sich lassen wollte und versuchte, dem Schatten seines Lebens davon zu laufen.

Er lief dabei so schnell, dass er plötzlich tot zu Boden sank.

Schon in den Evangelien wird erzählt, dass auch die Jünger Jesu die Flucht aus dem Schatten des Kreuzes suchten, als Jesus ihnen auf dem Weg nach Jerusalem das bevorstehende Kreuz ankündigte, weil sie seine Ankündigungen nicht verstanden.

Beim Evangelisten Markus heißt es im 9. Kapitel, Vers 32 »Aber sie verstanden den Sinn seiner Worte nicht, scheuten sich jedoch, ihn zu fragen.«

Und hiermit bin ich bei uns, hiermit bin ich bei der Bedeutung dieser Kreuzausstellung für uns als Betrachter dieser Ausstellung. Diese Kreuzesbilder aus unserer Zeit rufen uns zu, auf die vor uns liegenden Kreuze zu schauen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen. Schließlich schleppen wir in unserem Alltag unser Kreuz in vielfältigen Formen und Größen mit uns herum.

Wenn ich dann so auf unseren Alltag schaue, dann sehe ich 3 unterschiedliche Typen von Kreuzen:

Es gibt Kreuze der Vergangenheit, der Gegenwart und auch der Zukunft, die wie Schatten auf uns fallen, die uns in Frage stellen, die uns belasten.

Sie bringen uns schmerzlich ins Bewusst­sein und meine wichtige These hierzu ist:

Unser Leben ist ein durchkreuztes Dasein.

Wir haben dabei die Möglichkeit, dem Mainstream der Gegenwart nachzulaufen, der uns sagt, "Du Mensch bist ins Dasein geworfen worden. Mach das Beste daraus",

oder

der Karfreitagserfahrung von uns Christen zu vertrauen, dass Gott uns mit unseren Kreuzen nicht allein lassen will, da Jesus am Karfreitag mit sei­nem Kreuz auch die Kreuze, die unsere Lebenswege säumen, auf sich genommen und mitgetragen hat.

Mit dieser Karfreitagserfahrung haben wir Christen die Möglichkeit, darauf zu vertrauen, dass, wie damals, -der Gekreuzigte auch heute unser Kreuz mittragen will, auch dann, wenn uns das Leben schier unerträglich geworden zu sein scheint, er immer dort da ist und das Kreuz der Menschen auf seine Schultern nimmt, wo sich diese das Leben gegenseitig zur Hölle machen, wo sie unter der Last des Kreuzes zu zer­brechen drohen.

Am Schluss habe ich eine Bitte an Sie:

Wenn sie sich in den nächsten Tagen die Kreuzausstellung anschauen, so bitte ich sie, sich diese Fotos unter folgender Botschaft anzuschauen:

1. Es gibt verschiedene Kreuze in dieser Welt, große und kleine, sichtbare und versteckte, die erst als Kreuz entdeckt werden müssen.

2. Das Kreuz in unserem Leben lässt sich nicht verdrängen. Stellen sie sich dem Anblick des Kreuzes. Denn mein Kreuz, welches ich im Leben zu tragen habe, lässt sich nicht beliebig gegen ein anderes austauschen oder umformen. Es ist da. Denn das Kreuz, das wir nach Gottes Willen zu tragen haben, ist unser Kreuz. Es ist auf uns „zugeschnitten". Diesem Kreuz müssen wir uns stellen, ob wir mögen oder nicht.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das mir gemäße Kreuz ich jedoch nur dann tragen und aus­haken kann, wenn wir auf Jesus schauen, der unser Kreuz mit dem Seinigen verbunden hat. In seinem Kreuz ist unser Leben mit all den belastenden Kreuzessituationen aufgehoben.

So nebenbei:

Dieser Gedanke kam mir, als ich das Bild mit dem Titel: "Kreuz versus Kapital" in der Skyline Frankfurts sah, nämlich die Bürotürme, die das Kreuz verdecken, die uns von einer Welt erzählen, die vordergründig erfolgreich ist.

Wenn ich da an die Bankenkrise von 2008/09 denke, so sehe ich, wie recht doch das Kreuz hat. Wie viel Leid hat da das Kapital über die Menschen, vor allem in Amerika und Kanada, gebracht.

Es war in der Vergangenheit eine gute Tradition, auf den Gipfeln unserer Berge ein Kreuz aufzustellen. Diese dort aufgestellten Kreuze können zum Bild und Symbol einer letztgültigen Deutung unseres Lebens werden.

Diese Kreuze sind dann mehr als nur ein Vermessungszeichen, das mit Exaktheit erkennen lassen soll, auf welcher Höhe wir uns befinden. Sie können uns vielmehr sagen, was das letzte und umfassende Ziel aller Wege und damit auch unseres Lebensweges ist: die erlösende Liebe Gottes, der sich für uns ans Kreuz nageln ließ, gestorben und auferweckt worden ist, von Gott, seinem und unserem Vater."

Am Ende dieses Gottesdienstes in der evangelischen Kirche Lichtenau hat dann der Fotograf der Ausstellung, Herr Jürgen Kemper aus Büren, einige Bilder besonders herausgestellt und über seine Motivation, diese Kreuze zu fotografieren, gesprochen.

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